Leserbriefe zum Projekt Rhein-Zeitung

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Leserbriefe nicht immer die Meinung der Marienberger-Akademie wiederspiegeln. Im Interesse einer objektiven Darstellung werden wir sie veröffentlichen und teilweise auch mit einer Antwort versehen. Wir laden Sie herzlich dazu ein, sich an dieser Diskussion zu beteiligen.

Leserbrief vom 02.04.2011

Sehr geehrte Damen und Herren,
zu Ihrer Information sende ich Ihnen meinen Leserbrief zum ersten Teil der Serie Kultur- und Geistesgeschichte, die gestern in der Rhein-Zeitung startete und offenbar in Zusammenarbeit mit Barbara Abigt aus Ihrem Hause entstanden ist.

Am Samstag starteten Sie Ihre neue Reihe über die Kultur- und Geistesgeschichte. Ich freue mich sehr über und auf diese neue Reihe, war allerdings bereits nach dem Lesen des ersten Absatzes entsetzt. Dort hieß es, dass unsere Art „nach dem Verschwinden der letzten Neandertaler vor 30 000 Jahren als einziger Vertreter der Species ‚Homo’ übrig blieb“.
Es geht mir hier nicht darum, dass die Neandertaler erst ein paar tausend Jahre später ausstarben. Auch nicht darum, dass ‚Homo’ als erster Teil eines wissenschaftlichen Artnamens ein Gattungsname ist und keine Species (Art) bezeichnet. Nein, ich möchte vor allem darauf hinweisen, dass unsere Art auch nach dem Aussterben des Neandertalers nicht die einzige Menschenform war. Dass zeigt sich an den 2003 anhand von Fossilien entdeckten Flores-Menschen Homo floresiensis. Diese Species der Gattung Homo lebte bis vor 12 000 Jahren auf der indonesischen Insel Flores. Es waren sehr kleine Menschen, ein Erwachsener war kaum größer als ein Meter.
Zudem gibt es eine noch ziemlich unbekannte Menschenart, die 2008 bei Ausgrabungen im südlichen Sibirien entdeckt und erst vor kurzem anhand von genetischen Untersuchungen als eigenständige Art identifiziert wurde. Diese Denisova-Mensch genannte Species lebte vor ca. 48 000 bis 30 000 Jahren im Altai-Gebirge in Zentralasien.
Zwei der Menschen-Arten, die vor Zehntausenden von Jahren gemeinsam mit uns die Erde bewohnten, wurden erst im letzten Jahrzehnt entdeckt. Gut möglich, dass noch einige weitere Arten entdeckt werden.
Prof. Dr. Markus Neuhäuser
Remagen

Unsere Antwort vom 05.04.2011

Sehr geehrter Herr Neuhäuser,
ich möchte auf Ihre Mail ein bisschen ausführlich antworten.
Wir machen seit 24 ½ Jahren Bildungsarbeit. Machten wir ein Einzel-Seminar, z. B. über „die Entstehung des Menschen“, würden wir uns am gegenwärtigen Wissenstands ausrichten… wohl wissend … spätestens seit Karl Popper, - wie vorläufig Wissenschaft ist, uns sind die Begriffe falsifizieren und verifizieren bekannt … Ihnen wahrscheinlich auch.
Das ist aber nicht Sinn unseres Zeitungsprojekts!
Dieses Projekt ist nicht für Professoren geschrieben, nicht für Intellektuelle… beim „Bildungsbürgertum“ differenzieren wir ein wenig. Nicht für die, die alles schon wissen… wohl für die, die vieles wissen, sich über die Vorläufigkeit von Wissen aber im Klaren sind und sich auf eine andere Sichtweise einlassen… wohl auch schmunzeln (wenn sie z.B. unsere Deutung der Minne lesen).
Entworfen wurde das Projekt für Menschen, die aus irgendwelchen Gründen das Gefühl haben, nicht genug über unsere Kultur (im Großen) zu wissen, die aber neugierig darauf sind, aus welchen Gründen auch immer. Die jedoch keine Zeit – und auch keine Lust haben – dicke, zum Teil unverständliche Bücher zu wälzen (und woran orientiert man sich bei der Auswahl?).
So entstand ein Projekt, das vielen einen Überblick verschafft - kein wissenschaftliches Fachwissen! Und die von Ihnen aufgeführten Beispiele unserer Unkenntnis… na, lieber Herr Professor – ob die nicht morgen überholt sind? Außerdem sind sie für den Laien irrelevant, was machen in diesen Zeitbegriffen schon 2.000 Jahre aus. (Ich weiß, wie das in Ihren Ohren klingt!)
Ziel der 1. Lektion war:

  • den Unterschied zwischen Kultur und Natur herauszuarbeiten,
  • die Kunst neutral als eine Funktionsträgerin zu sehen
  • die unterschiedliche Sicht der Menschen auf die Welt zu demonstrieren.

All das erreichen wir, auch wenn zwischen Neandertaler und… noch eine Spezies lebte… morgen wissen wir es, übermorgen müssen wir es – unter Umständen - verwerfen.
Noch etwas: Bei Bearbeitung des Projekts auf „Ihre“ Art, bräuchten wir nicht 28 sondern 280 Lektionen, nicht 6 – 10 Seiten pro Lektion sondern 40 – 60, und gewiss 3 – 5 CDs.
Die Leute benötigten dann nicht ein knappes Jahr, sondern 5 Jahre und mehr um zu verstehen und zu behalten - und wir hätten – wie die Unis bei den Geisteswissenschaften – 60% und mehr Abbrecher… so hatten wir 1,5 % (6 von 400).
Für Ihre Studenten ist Ihr Anspruch nötig. Für unsere Klientel nicht.

Dennoch danke ich Ihnen für Ihre Anteilnahme und setze Ihr Schreiben zur Belehrung der Leser und Leserinnen ins Internet.
Mit besten Grüßen
Barbara Abigt

Wir empfehlen, den zum Projekt gehörenden Artikel von Andreas Pecht auf Seite 3 der Rhein-Zeitung von 2.4.2010 zu lesen.